Bildung und Engagement für eine nachhaltige Entwicklung

Pressemitteilung 442

Dienstag, 15. Dezember 2020

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Am 14. Dezember 2020 tagte der Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung unter der Leitung von Bundesminister Helge Braun, Chef des Bundeskanzleramtes, zum Thema „Bildung und Engagement – Bildung als Schlüssel für nachhaltige Entwicklung stärken“.

Dabei unterstrich der Ausschuss die große Bedeutung des Ziels 4 „Hochwertige Bildung“ der Sustainable Development Goals (SDGs), insbesondere des Unterziels SDG 4.7 (Bildung für nachhaltige Entwicklung), als Motor für die Umsetzung der SDGs und der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) hat das Ziel, Menschen zu befähigen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

Der Ausschuss verwies auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie und das Risiko, bestehende Ungleichheiten zu verstärken und neue zu schaffen. Die Staatssekretärinnen und Staatssekretäre unterstrichen die Notwendigkeit, Bildung für nachhaltige Entwicklung in allen Bil-dungsbereichen weiterzuentwickeln und auszubauen – von der Kita, der Schule, dem Betrieb und der Hochschule bis zum Sportverein. Wichtige Akteure sind dabei Länder und Kommunen. Zudem betonte der Ausschuss die wichtige Rolle zivilgesellschaftlichen Engagements für BNE gerade im außerschulischen Bildungsbereich.

Der Nationale Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung soll entsprechend mit neuen Maßnahmen unterlegt werden. Und über die Nationale Plattform für Bildung für nachhaltige Entwicklung sollen weitere Maßnahmen gefördert und der bundesweite Transfer unterstützt werden.

Das Engagement vieler junger Menschen beispielsweise in der Bewegung „Fridays for Future“ hat gezeigt, wie stark sich junge Menschen für eine lebenswerte Zukunft einsetzen. Der Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung würdigte dieses Engagement und bekräftigte die Ziele der Jugendstrategie der Bundesregierung. Dazu gehört möglichst viele junge Menschen für eine aktive gesellschaftspolitische Beteiligung zu begeistern und zu befähigen. Dafür gilt es, die Anliegen junger Menschen ernst zu nehmen und ihnen wirksame Mitsprache zu ermöglichen, wenn sie betroffen sind. Freiräume zur Stärkung des Engagements junger Menschen sollen gefördert sowie der internationale Austausch für junge Menschen gestärkt werden, etwa über internationale Freiwilligendienste, Jugendaustausch und Schulpartnerschaften.

International setzt sich die Bundesregierung für Fortschritte in der Bil-dung für nachhaltige Entwicklung auch im Rahmen des neuen UNESCO-Programms für BNE (Laufzeit 2020-2030) ein. Im Mai 2021 findet von Berlin aus die internationale UNESCO-Weltkonferenz “Education for achieving the SDGs” statt.Der Ausschuss begrüßte es, dass junge Menschen das neue UNESCO-Programm zu Bildung für nachhaltige Entwicklung („ESD for 2030“) national auch weiterhin mitgestalten werden.

Der Ausschuss diskutierte auch über Voraussetzungen für eine
gelungene Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse zu nachhaltiger Entwicklung. Exemplarisch hob er die Aktivitäten des Wissenschaftlichen Beirats für Globale Umweltveränderungen und der Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 hervor.

Entscheidend für den Erfolg von Bildung für nachhaltige Entwicklung ist neben der Aus- und Weiterbildung des Bildungspersonals die Fortbildung der Führungskräfte, auch für die Verwaltung. Daher wurde bei der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung (BAköV) eine neue Geschäftsstelle für Nachhaltigkeitsbildung eingerichtet, durch die der Bund mit gutem Beispiel vorangehen will.

Am Gespräch mit der Bundesregierung nahmen teil: Prof. Dr. Gerhard de Haan (Freie Universität Berlin), Dr. Eckart von Hirschhausen (Mode-rator, Arzt, engagiert bei Scientists for Future), Julia Wäger (Jugend-bank Aktionsbündnis Klimaschutz/Katholische Landjugend).

Nachhaltigkeitsberichte des AA und BMVg

In einem weiteren Tagesordnungspunkt stellten das AA und das BMVg ihre Ressortberichte zur Umsetzung der Agenda 2030 und der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie vor.

Hintergrund: Der Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung ist das zentrale Steuerungsorgan der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Alle Ressorts sind in dem Ausschuss auf Ebene der beamteten Staatssekretärinnen und Staatssekretäre vertreten. Weitere Informationen sind unter www.deutsche-nachhaltigkeitsstrategie.de veröffentlicht.

„Thüringer Qualitätssiegel Bildung für nachhaltige Entwicklung“ 2020

Koordiniert vom Nachhaltigkeitszentrum Thüringen haben drei außerschulische Bildungsanbieter in diesem Jahr erfolgreich den Zertifizierungsprozess zum „Thüringer Qualitätssiegel Bildung für nachhaltige Entwicklung“ durchlaufen. Das Zertifikat hat eine Gültigkeit von zunächst drei Jahren.

Die Träger des Thüringer Qualitätssiegels BNE 2020 bieten bemerkenswerte, anschauliche und aktivierende Lernmöglichkeiten zur nachhaltigen Entwicklung für Jung und Alt. Die Angebote reichen von einer Ausstellung zur Bedeutung von Arten und Lebensräumen sowie nachhaltiger Regionalentwicklung im Naturpark-Haus über Entdeckungsreisen durch den “Urwald” bis zur waldbezogenen Bildungsarbeit.

Aus Sicherheitsgründen konnte die Urkundenübergabe im TMUEN nicht stattfinden, diese wird
ins nächste Jahr verschoben.

Mit dem Thüringer Qualitätssiegel BNE 2020 werden ausgezeichnet:

Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale

Jugendherberge „Urwald Life-Camp“ Lauterbach

ThüringenForst – Anstalt öffentlichen Rechts, waldpädagogische Tagesangebote der zertifizierten Waldpädagogen

Die LAG BNE hat ihre neuen Sprecher*innen gewählt

Wahl der Sprecher*innen der LAG BNE Thüringen

Mit dem Rückzug von Jens Düring als einer der Sprecher*innen der LAG BNE Thüringen wurden Neuwahlen notwendig, um diese Rolle innerhalb der LAG wieder zu besetzen.

Am Donnerstag den 16.07.2020 trafen sich dazu die Mitglieder der LAG im Festsaal des Rathauses der Stadt Erfurt. Bedingt durch die Corona-Beschränkungen nahmen einige Mitglieder via Videochat teil, während andere mit dem gebotenen Abstand ihr Handzeichen analog gaben.

Als neue Sprecher der LAG BNE wurden Uwe Flurschütz und Martin Abramowski gewählt. Der LAG BNE weiterhin als Sprecherin erhalten bleibt Maria Fronz, die diese Rolle nunmehr im dritten Jahr ausfüllt.

Wir bedanken uns bei unseren Sprecher*innen für Ihr Engagement und wünschen Ihnen eine erfolgreiche und spannende Zeit als Vertreter*innen der LAG BNE Thüringen.

Maria Fronz…………………………….Uwe Flurschütz……………………………Martin Abramowski

Außerschulische Bildung in der Krise

Seit März waren neben KiTas und Schulen auch die außerschulischen Lernorte coronabedingt geschlossen. Erstere beiden haben wieder geöffnet und führen ihre Arbeit weiter. Für letztgenannte gilt das nicht automatisch. Vom Thüringer Bildungsministerium (TMBJS) werden Schulausflüge noch untersagt. Die Landesarbeitsgemeinschaft Bildung für nachhaltige Entwicklung Thüringen (LAG BNE) hat in einem landesweiten Appell auf diese prekäre Lage hingewiesen und erhofft sich von Minister Holter eine Lösung. Die in Jahrzehnten entwickelte Bildungslandschaft von vielen Anbietern externer Bildungsangebote verschiedenster Ausrichtung steht vor einer großen Zäsur. Nicht wenige Anbieter stehen vor dem Aus.

Die LAG BNE Thüringen bitte den Bildungsminister Holter, die Möglichkeiten der außerschulischen Bildungsarbeit sowie des Lernens am anderen Ort für das Schuljahr 2020/21 zu klären. Insbesondere Lehrerinnen und Lehrer sollen ihre Möglichkeiten für das Lernen am anderen Ort, die Zusammenarbeit mit außerschulischen Anbieter*innen in der Schule und Weiterbildungen für Pädagog*innen sowie Maßnahmen der Erwachsenenbildung verbindlich dargestellt werden.

Mit der bisherigen Regelung des TMBJS zu Klassenfahrten und dem Lernen am anderen Ort (z.B. Wandertage) sind praktisch alle außerschulischen Anbietenden der non-formalen Bildung von der schulbegleitenden Bildungsarbeit ausgeschlossen.

Die LAG BNE Thüringen fordert eine klare Aussage zur Umsetzung außerschulischer Bildungsangebote im Schulkontext.

„ Wir fragen den Minister, welche Maßnahmen er zu ergreifen beabsichtigt, um die außerschulische Bildung unter den ggf. noch längerfristig notwendigen Vorsichts- und Vorkehrungsmaßnahmen zur Pandemieprävention wieder in den Schulalltag des kommenden Schuljahres einzugliedern?“, so Maria Fronz, Sprecherin der LAG BNE.

In einer Umfrage unter Akteuren wie Schullandheimen, Jugendherbergen, den Nationalen Naturlandschaften, Gedenkorten, Institutionen der Umweltbildung, der Demokratiebildung oder des Globalen Lernens hat gezeigt, dass der Wegfall der außerschulischen Bildungsarbeit teilweise existenzbedrohend ist. Gerade dann, wenn die bestehenden Regelungen einen Einnahmeausfall über mehr als drei Monate verursachen. Bestehende Hilfs- und Fördermöglichkeiten gleichen diesen Ausfall in keiner Weise aus. 81% der Befragten sind von Einnahmeausfällen betroffen. Knapp die Hälfte der Befragten schätzte einen Einbruch ihrer regelmäßigen, jährlichen Einnahmen um mehr als 40 Prozent.

„Nach unseren bisherigen Erfahrungen werden die Thüringer Lehrkräfte außerschulische Angebote ohne eine offizielle Klärung auf Verwaltungsebene auch in den folgenden Monaten und auch im neuen Schuljahr nicht planen, vorbereiten und buchen – obwohl alle Bildungsanbieter*innen bereits Hygienekonzepte vorliegen haben und somit auf den Weiterbetrieb gut vorbereitet sind. Damit dramatisiert sich die derzeit schwierige Lage katastrophal und eine über Jahrzehnte gewachsene Bildungslandschaft wird verschwinden“, so Maria Fronz weiter.

Deshalb ist eine weitere Forderung der LAG BNE, dass finanzielle Mittel für betroffene Akteure der außerschulischen Bildung zur Verfügung gestellt werden, um die Auswirkungen der derzeitigen Einschränkungen auszugleichen. Denn von den bestehenden Hilfsprogrammen werden viele Akteure nicht erreicht.

Der Appell ist zu finden unter: http://www.lag-bne-thueringen.de/appell/

Hintergrund: Die LAG BNE Thüringen ist ein freiwilliger Zusammenschluss vielfältiger Akteur*innen von BNE in Thüringen. Sie ist Interessenvertretung, Netzwerk, bietet Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und unterstützt Qualitätssicherung und –entwicklung.

Kontakt:  Sprecherin Maria Fronz, Tel. 03641 22 49 951

kontakt@lag-bne-thueringen.de                         

Verabschiedung aus der Sprecherrolle

Jens Düring (rechts) bekommt von Martin Abramowski (links) ein kleines Geschenk als Dankeschön für seine bisherige Arbeit als Sprecher der LAG BNE überreicht. (Foto: Alfred Bax)

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Nicht ganz ohne ein weinendes Auge verabschieden wir Jens Düring als Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Bildung für nachhaltige Entwicklung Thüringen.

Als Mitarbeiter der Stadtverwaltung Erfurt im Umwelt- und Naturschutzamt war er seit Gründung der LAG BNE als Sprecher aktiv und vertrat die Interessen der Mitglieder, nicht zuletzt in schwierigen Prozessen.

Wir danken Jens Düring für seine Arbeit in der LAG BNE und freuen uns gleichzeitig, dass er uns als Mitglied der LAG auch weiterhin erhalten bleibt!

Thüringer Aktionsplan Bildung für Nachhaltige Entwicklung beschlossen

(Dezember 2019) Die Thüringer Landesregierung hat am 19. November 2019 den „Thüringer Aktionsplan ,Bildung für Nachhaltige Entwicklung‘ – Grundsteine für weitere Entwicklungen –“ (PDF) beschlossen. Für die Erarbeitung fand seit Herbst 2018 ein intensiver Dialogprozess mit der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ Thüringen statt. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) steht hierbei für eine transformative Bildung, die Menschen zu verantwortungsvollem Denken und Handeln befähigt. BNE gründet auf der globalen Reichweite und den zeitlichen Dimensionen des Lernens. BNE ermöglicht es, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und ebenso die Auswirkungen der globalen Verhältnisse auf das eigene Bewusstsein und Handeln zu ergründen. Die Achtung der Menschenwürde, der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und die Herstellung globaler Gerechtigkeit geben der BNE dabei ihre Wertorientierung. Dafür werden im Thüringer Aktionsplan „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ Gestaltungsmöglichkeiten für Akteur/-innen in verschiedenen Handlungsfeldern formuliert. Fünf Handlungsfelder werden unterschieden: Alltag, Bildung, Jugend, Kommune und Wirtschaft.

Info: Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, Werner-Seelenbinder-Straße 7, 99096 Erfurt, Tel. 0361 57–100, https://bildung.thueringen.de

AUSGEZEICHNETE BILDUNG IN THÜRINGEN

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Deutsche UNESCO-Kommission haben heute in Berlin die Landesarbeitsgemeinschaft Bildung für nachhaltige Entwicklung Thüringen (LAG BNE Thüringen) als herausragende Bildungsinitiative für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. Die LAG leistet als Netzwerk und Vorreiter einen beispielhaften Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland.
Für Thüringen wünschen sich die Akteure der LAG eine noch stärkere Einbeziehung der BNE in alle Bildungsbereiche und ein eigenes Förderprogramm für die vielen Bildungsanbieter.

Für die nachhaltige Entwicklung der Welt haben die UN die Agenda 2030 verabschiedet und 17
Nachhaltigkeitsziele (SDGs) formuliert. Ein zentrales Ziel ist – Nr. 4 – hochwertige Bildung. Das
grundlegende Prinzip bzw. Leitidee ist die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Sie befähigt
Menschen zu verantwortungsvollem Denken und Handeln und ist damit der Schlüssel zu allen
anderen Nachhaltigkeitszielen.
Das BMBF und die Deutsche UNESCO-Kommission zeichnen jedes Jahr herausragende Lernorte,
Kommunen und Netzwerke aus, um deren Arbeit zu würdigen und nach außen deutlich zu machen.
Bei der heutigen Auszeichnungsveranstaltung in Berlin wurden aus Thüringen nur zwei Institutionen
ausgezeichnet. Neben der LAG auch noch das Nachhaltigkeitszentrum Thüringen.
„Wir freuen uns riesig über diese Auszeichnung. Sie ist für uns eine Belohnung für die stetige Arbeit,
die vielen Diskussionen mit Akteuren und Ministerien und Ansporn für die weitere Arbeit, damit BNE
noch stärker in allen Bildungsbereichen Eingang findet, die vielen Anbieter sich besser vernetzen und
ihren Forderungen mehr Ausdruck verleihen können“, so Maria Fronz und Jens Düring, SprecherIn
der LAG.
„Wir hoffen, dass uns die Auszeichnung auch noch mehr Rückhalt bei den Entscheidern im Land gibt
und wir beispielsweise mittelfristig ein Förderprogramm für BNE gemeinsam erarbeiten können“, so
die beiden weiter.

Die Jury begründet ihre Auszeichnung an die LAG wie folgt: „In der Landesarbeitsgemeinschaft
Bildung für nachhaltige Entwicklung sind in Thüringen Akteure der außerschulischen, non-formalen
Bildung organisiert. Ziel des Netzwerks ist es, die 17 Nachhaltigkeitsziele auf kommunaler und
Landesebene aufzugreifen und in die Nachhaltigkeitsprozesse zu integrieren. Die Jury würdigt das
hohe Engagement des Netzwerks zur strukturellen Verankerung von Bildung für nachhaltige
Entwicklung in Thüringen.“